Die Vielfalt Feiern – Andreas Baumann, Pfarrer Seelsorgekreis Rothenburg/Emmen-Nord

Die Vielfalt feiern – Andreas Baumann, Pfarrer Seelsorgekreis Rothenburg/Emmen-Nord

Die Vielfalt feiern

 Ich kann nichts dafür, dass ich reformiert bin. Ich wurde so eingetragen und getauft. Quasi «zugeteilt». Ich hatte aber auch nie Grund, meine Konfession abzulegen oder zu wechseln. «Reformiert» gefällt mir. Ich weiss auch nicht, ob das, was mir an «meiner» Kirche gefällt, nur typisch reformiert ist.

Was ich weiss: Ich konnte noch nie etwas glauben, einfach weil man sagt, dass es so «ist». Ich muss und will es für mich selbst verstehen und begreifen, rational und emotional. Nur das ist für mich wirklich relevant, «wahr». In meiner Kirche erlaube ich mir, so zu sein, wie ich bin, und so zu glauben, wie es sich für mich «erschliesst».

Und ich fühle mich wohl in einer Kirche, in der jeder und jede sich selbst sein kann. Es gibt keinen Zwang. Auch Zweifler haben in ihr Platz. Sogar Atheisten. Auch solche, die mehr dem Buddhismus zugeneigt sind. Auch sogenannt «Fromme» – doch weiss heisst schon «fromm»? Ich muss keine Leistung erbringen, um reformiert zu sein (ja gut, Steuern zahlen …).

Man kann bemängeln, dass die Reformierten keine «Stimme», kein «Profil» haben. Doch diese Freiheit und Offenheit ist für mich auch ein Profil: In unserer Kirche sollen alle ihren Platz haben. Und im Teilen unserer Erfahrungen und den daraus gewonnenen Einsichten und Ansichten lernen wir voneinander.

Paulus schrieb über Christus als ein Leib mit vielen Gliedern (1. Korinther 12). Das war für mich schon immer mein Lieblingsbild: Einheit besteht nicht darin, dass alle gleich geschaltet sind (nur Augen, oder nur Füsse …), sondern wo wir uns in unserer Verschiedenartigkeit ergänzen, das heisst, dadurch erst zu einem Ganzen werden.

So sehe ich nicht nur Kirchenmitglieder als Glieder des Leibes Christi, sondern auch die verschiedenen Kirchen. Keine Kirche ist die beste, einzige und wahre. Sondern jede Kirche hat ihre Eigenheit und Schönheit. Und die verschiedenen Menschen fühlen sich eher in einer oder in einer anderen Kirche mehr beheimatet.

Warum also unter der «Trennung» leiden? Warum sich nicht freuen an der «Vielfalt» und daran, uns einander in unserer Eigenheit begegnen und einander bereichern?

Feiern wir doch mit dem Reformationsjubiläum die kirchliche Vielfalt!