Bill Tyndall: Reformiert Sein Heisst «seriös Glauben»!

Bill Tyndall: reformiert sein heisst «seriös glauben»!

Die reformierte Kirche Luzern ist eine bunte Kirche. Auch deshalb weil in ihr immer wieder von neuem Menschen aus dem Ausland und aus anderen konfessionellen Gemeinschaften einen Platz finden. Diese «Migranten» – beispielsweise Lutheraner, Anglikaner oder ehemals Konfessionslose – nehmen vielfach mit wachem Interesse und engagiert am kirchlichen Leben teil. Sie sind ein wichtiger Pfeiler unserer Kirche. Im Hinblick auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wollen wir in loser Folge einige dieser «Migranten» porträtieren.

 

Bill Tyndall (*1942) ist in England aufgewachsen und wurde in der «Church of England», also in der anglikanischen Kirche, getauft und konfirmiert. Bill singt im Kirchenchor der Lukaskirche, feiert da und dort in der reformierten Kirche Luzern Gottesdienste und schätzt die engagierten Diskussionen im theologischen Gesprächskreis im Myconiushaus und in der Spiritualitätsgruppe der Vereinigten Bibelgruppen in Zürich.

 

Bill, was sind deine eindrücklichsten Erinnerungen an deine Herkunftskirche?

Die anglikanische Kirche lud jeden Sonntag mindestens zu drei Gottesdiensten ein: zum Abendmahl um 9.00 und zum Wort- oder Musikgottesdienst um 11.00 und 17.00 Uhr. Ich genoss den Gesang und schätzte besonders den Evensong, ein gesungener Gottesdienst; gesungen, auch wenn die Gesangbücher keine Noten hatten! Ebenso liebte ich die Liturgie: Texte und Gebete – über Jahrhunderte sorgfältig verfeinert – die ins Herz des christlichen Glaubens führen und mir durch ihre Wiederholung vertraut wurden.

 

Weshalb bist du Mitglied der reformierten Kirche geworden, als du in die Schweiz kamst?

Dank meiner Frau lernte ich die reformierte Kirche kennen und fühlte mich da bald zuhause. Wir heirateten und tauften unsere Kinder unter ihrem Dach.

 

Was schätzt und vermisst du in der reformierten Kirche?

Ich schätze, dass die Bibel im Zentrum eines Gottesdienstes steht und eine professionelle Auslegung uns zu einem guten Verständnis verhilft. Eine Predigt kann unser Denken anregen, provozieren und uns ein vertieftes Verständnis von und über Gott geben. Ich gehe dann meistens nachdenklich und etwas ernsthafter nach Hause; reformiert sein heisst «seriös glauben»! Für mich bedeutet Christsein aber auch eine mit Freude erfüllte Lebensweise: Lob und Dank, froher Gesang und Gebet können im Gottesdienst eine erbauende Erfahrung mit Gott sein. Beides – Kopf und Herz -wollen angesprochen werden.

 

Ist das Jahr 2017 für dich ein Jubiläumsjahr? Weshalb?

Die Reformationsbewegung zog sich über viele Jahre hin. In England beendete Henry Vlll. die Autorität des Papstes über die Kirche um das Jahr 1534. Im kontinentalen Europa läuteten 1517 Luthers 95 Thesen die Reformation ein. Das Jubiläum bietet sich an, um das Gute der Reformation zu feiern. Ich feiere mit, weil die Reformation das korrupte Diktat, wie und was man zu glauben und zu leben hatte, wegräumte und weil die Bibel für alle in ihrer Alltagssprache zugänglich wurde. Die Gläubigen mussten sich nicht mehr nur mit dem abspeisen lassen, was die Kirche ihnen verabreichen wollte!